Eisen im Feuer - Amateurfotografie aus Hörde

Mit unserer Kamera begleiten wir besondere Momente. Wir reagieren und entscheiden, was festgehalten werden soll. Nicht selten aber, lässt das Auslösen der Kamera einen bestimmten Moment erst entstehen. Ereignisse werden also nicht nur dokumentiert, sie werden verursacht. Das gilt auch für die vielen vergnügten Bilder für den Hausgebrauch, Personen werden idealisiert, vielleicht sogar in Szene gesetzt. So sollen sie uns im Gedächtnis bleiben. Wir erschaffen Erinnerungen für die Zukunft: für unsere Kinder, wenn sie einmal groß sind, für nachfolgende Generationen, für das gute alte Fotoalbum.
In der Summe ist Fotografie also das, was unsere Identität ausmacht. Sie vermittelt ein Gefühl der Zugehörigkeit und gemeinsamen Geschichte. Bilder laden zum Austausch ein, was zusammen erlebt, manchmal auch verpasst wurde, es wird interpretiert und kommentiert.
Bemerkenswert ist nun der Wechsel von der persönlichen auf eine öffentliche Ebene, von denen, die beteiligt waren, zu jenen, die das Bild nur von außen kennen. Das Foto wird neu eingeordnet, denn aus dem „WIR waren ein Teil davon“, wird ein „SIE waren ein Teil davon“.
Der Zugriff auf private Bildbestände bringt zudem eine aus der Pressefotografie bekannte Frage mit sich: Können wir diesen Bildern vertrauen? Für die analoge Zeit der Amateurfotografie könnte folgendes gelten: Es gab kaum Anlass dafür, nur selten die technische Möglichkeit, Bilder im Nachhinein zu manipulieren. Für die beiden Fotografen Peter Lutz und Jens Sundheim lag der Reiz genau darin, im Aufspüren dieser ungeschliffenen Diamanten, dieser einzigartigen Bilder von ungeschminkter, klarer und ehrlicher Schönheit, beim Durch- und Zurückblättern von privaten Fotoalben.
Mit einem Aufruf an die Einwohner*innen in Hörde sollten diese verborgenen Fotoschätze ans Licht gebracht werden, ob nun Alltagsbeobachtungen oder private Momente, die gerade in ihrer Vielfalt die Identität eines Stadtteils ausmachen.

 

We accompany special moments with our cameras. We react and decide what to capture. Not rarely, however, it is only the release of the shutter itself that creates a specific moment. Events are therefore not just being documented, but also created. This can also be said for the many joyous pictures taken at home. People are being idealized, maybe even placed into a specific scene. By doing so, they are supposed to stay with us. We create memories for the future: for our children, for when they are grown, for future generations, for the good old photo album. In sum, photography creates our identity. It conveys a feeling of belonging and shared history. Pictures invite for exchange about shared and missed experiences, we interpret and comment.

It’s remarkable when the move from the personal to the public sphere happens. From those who were a part of the images to those who only know them from afar. The image gets reclassified, because the “WE were a part of it” turns into “THEY were a part of it”.

The access to private photographic inventory leads to a question already familiar from press photography: Can we trust these images? For the analog era of amateur photography, the following could be applied: There was rarely a reason, rarely the technical possibility, to manipulate images after they were taken. This was exactly the appeal for the photographers Peter Lutz and Jens Sundheim: tracing these raw diamonds, these unique images with their unadorned, clear and honest beauty, when looking through private photo albums.
With an appeal to the residents of Dortmund Hörde, the hidden photo treasures were supposed to be brought to light. No matter whether they were everyday life observations or private moments. All of them would amount to the diversity of the neighborhood’s identity.

 

Eröffnung: 25. Juni, ab 22 Uhr

Ort: Hörde

Ausstellungsdauer: 25. Juni bis 27. Juni 2021

Eintritt: frei

 

 © Levegue, Kelber