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Zum Problem der Identität

 

Der Begriff ist paradox: Als identisch wird etwas bezeichnet, wenn eine völlige Übereinstimmung zweier Entitäten festgestellt werden kann. In dem Moment aber, in dem etwas völlig mit sich selbst übereinstimmt, ist es nur noch eins – kann also nicht mehr identisch sein. Vielleicht ist dieses Paradoxon bereits dafür verantwortlich, dass die Identität eines Menschen oftmals problematisch erscheint. Bezogen auf die Identität einer Person ist zweierlei möglich: Passiv wird jemand identifiziert, aktiv identifiziert sich jemand mit etwas. Konfliktpotenzial bergen beide Möglichkeiten. Was aber passiert eigentlich im Zuge einer Identifizierung? Im Grunde handelt es sich um eine Übertragung: Identifiziere ich mich mit etwas, beispielsweise einer Gruppe, sollen die Vorstellungen, die ich von mir habe, mit denen übereinstimmen, die ich von der Gruppe habe; werde ich identifiziert, sollen die Eigenschaften, die mir zugeschrieben werden, mit den Vorstellungen übereinstimmen, die andere von mir haben – in Gänze kann das nicht funktionieren, alleine deshalb, weil es gar keinen Kern, gar keine Essenz geben kann, mit denen die Vorstellungen und Zuschreibungen matchen könnten. Jeder Mensch ist ebenso Resultat der eigenen Vorstellungen wie der Zuschreibungen anderer, also eine Mischung aus Eigen- und Fremdwahrnehmung, aus Innen- und Außenwelt. Diese aber sind niemals deckungsgleich, vollkommene Identität ist ausgeschlossen. Die Ausstellung ist entstanden unter der Leitung von Prof. Dirk Gebhardt & Prof. Dr. Marcel René Marburger (Fachhochschule Dortmund).

 

On the problem of identity

 

The term itself is paradoxical: Something is described as identical when complete congruence of two entities can be detected. But the moment something is in accordance with itself completely, it becomes one – and therefore can no longer be identical. Maybe it is already this paradox that is responsible for why a person’s identity often appears to be problematic. There are two options concerning an individual’s identity: passively being identified, or actively identifying with something else. Both options come with potential conflict. But what is it that happens during an identification? It’s essentially a transmission: If I identify with something else, for example a group, I want the concept I have of myself to align with the one I have of the group. If I’m being identified, the traits attributed to me are supposed to fit with other people’s understanding of me. This can’t ever truly work, because there is no core, no essence, with which the ideas and attribution could match. Every person is just as much a result of their own ideas about themselves as of other people’s, a blend of self- and external perception, of the inner and outside world. But those are never congruent, perfect identity is impossible.

 


Verantwortliche Dozenten: Dirk Gebhardt, Marcel René Marburger

Fotograf*innen: Jasper Bastian, Victoria Jung, Hamon Nasiri, Fabian Ritter, Anna Roters, Anna Shapiro, Eugen Herber

 

Eröffnung / Opening: Fr. 18 Juni | 17 bis 20 Uhr

Ort / Venue: Superraum/Dortmund.Kreativ

Öffnungszeiten / Opening Hours: täglich von 11 bis 18 Uhr

Ausstellungsdauer / Duration: bis 27. Juni 2021

Eintritt / Entrance: frei

Corona Hinweise / Corona Information: Superraum/Dortmund.Kreativ

 

© v.l.n.r.: Fabian Ritter, Victoria Jung, Anna Roters