Das Festival 2019


Nach dem erfolgreichen Auftakt 2017 zum Thema Grenzen setzt das  f² Fotofestival auch in diesem Jahr auf ein großes Thema: Gerechtigkeit. Zehn Ausstellungen bieten wieder unterschiedliche Perspektiven zu einem gemeinsamen Thema, mit dem kritischen und neugierigen Blick der Fotografie.

 

 Gerechtigkeit ist der zentrale Kern in allen Kulturen für das menschliche Zusammenleben und doch gehen die Meinungen was unter Gerechtigkeit zu verstehen ist, weit auseinander. Eine Debatte darüber zu führen, setzt zunächst voraus, sich mit dem Begriff der Gleichheit auseinanderzusetzen. Die Idee, dass alle Menschen, unabhängig von ihrer Klasse, der Herkunft, dem Geschlecht oder der Hautfarbe gleichgestellt sind, sollte heute nicht mehr angezweifelt werden.

 

Ebenso müssen aber unterschiedliche Lebensumstände berücksichtigt werden oder wie es Karl Marx in seinem Grundsatz formulierte: „Jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seinen Bedürfnissen!“ John Rawls leitete 1971 mit seiner liberalen Theorie der Gerechtigkeit einen Paradigmenwechsel ein, dass nämlich soziale und ökonomische Ungleichheit dann in Ordnung sei, wenn sie "zum größten zu erwartenden Vorteil für die am wenigsten Begünstigten" beitrage. In diesem Punkt ist seine These um das Differenzprinzip bis heute strittig und zeigt die ganze Komplexität des Themas auf.

 

Es fordert unsere wohlhabende Gesellschaft dazu auf die Problematik um Gerechtigkeit vorrangig zu behandeln und sich auf unterschiedlichen Ebenen damit auseinanderzusetzen: Wie sind gesellschaftliche Güter gerecht zu verteilen? Ist alles gerecht, was dem Gesetz entspricht? Wie ist globale Gerechtigkeit zu erreichen? Und ganz aktuell wird die Frage aufgeworfen, wie Gerechtigkeit gegenüber zukünftigen Generationen zu erreichen ist.

 

Jeder Ausstellungsort präsentiert einen eigenen Zugang zu diesem Thema und zeigt unterschiedliche Herangehensweisen der Fotografie: künstlerische, dokumentarische und fotojournalistische Arbeiten, inszenierte und experimentelle Fotografie.

 


Ausstellungen 2019



Follow The Water


Wasser und Gerechtigkeit sind untrennbar miteinander verbunden. Mit der modernen Lebensweise steigt der Bedarf an Wasser stetig an. Das führt dazu, dass die Grundwasservorräte schwinden und Seen austrocknen. Gleichzeitig schmilzt das Eis an den Polen und Gletschern. Längst spüren wir die Folgen des Klimawandels, mit Perioden extremer Trockenheit und Dürren einerseits sowie furchtbaren Sturmfluten und Überschwemmungen andererseits. Dies ist einer der Ursachen, weshalb sich Menschen weltweit auf die Flucht begeben und vor Europa den riskanten Weg über das Mittelmeer suchen.

 

Wasser mag für jeden eine andere Bedeutung haben, doch letztlich hängt alles miteinander zusammen. Die Ausstellung zeigt 14 Arbeiten, die in ihrer Gesamtheit die Wechselwirkungen aufzeigen.

 

Fotograf*innen:

Mattia Balsamini, Julio Bittencourt, Solmaz Daryani, Jesco Denzel, Aaron Vincent Elkaim, Matjaž Krivic, Dirk Krüll, Daesung Lee, Kadir van Lohuizen, Gideon Mendel, Freya Najade, Maria Vittoria Trovato, Julia Unkel, Ira Wagner

© v.l.n.r.: Aaron Vincent Elkaim, Freya Najade, Solmaz Daryani

 

Mit freundlicher Unterstützung von


Über Leben - 40 Jahre Cap Anamur


Zum 40-jährigen Bestehen von Cap Anamur zeigt Jürgen Escher sensible Einblicke in die Nothilfearbeit, die er seit 34 Jahren weltweit fotografisch begleitet und dokumentiert.

Im Fokus von Cap Anamur stehen medizinische Versorgung und der Zugang zu Bildung. Während der Einsätze leben die Helfer*innen meistens direkt vor Ort. Das schärft ihr Gespür für die besondere Situation und ermöglicht einen besseren Umgang mit den notleidenden Menschen.

 

Fotograf: Jürgen Escher


Human Impact


In fünf fotografischen Positionen zeigt die Ausstellung Tatorte, Notfallvorbereitungen, Opfer, Relikte und Bedingungen von Gewalt und Ausgrenzung sowie die fotografische Konstruktion der Nachrichten.

 

Die deutschen Prepper, staatliche Vorkehrungen und Vorbereitungen für Notfälle sind in der Serie Black Swan von Hahn/Hartung zu sehen, als bedrohliche Kulisse und bedrückende Perspektive. David Farrell zeigt mit Innocent Landscapes Landschaftsszenarien, die nicht unmittelbar erkennen lassen, dass es sich bei ihnen um Tatorte der IRA handelt. Andrea Gjestvang zeigt nur einen einzigen One Day In History, den Tag an dem hunderte von Jugendlichen Opfer des Massakers auf Utoja wurden. Sie zeigt die Opfer als Überlebende, aber offensichtlich oder auch unsichtbar gezeichnet für immer. Cortis und Sonderegger stellen in Icons berühmte Fotografien der Zeitgeschichte im Studio nach und dekonstruieren damit bewusst die Meilensteine unserer Erinnerung. Danila Tkachenko führt uns in Restricted Areas an Orte, in denen der Krieg vorbereitet wird aber auch trügerisch vergessen zu sein scheint.

 

Fotograf*innen: Cortis & Sonderegger, David Farrell, Andrea Gjestvang, Hahn+Hartung, Danila Tkachenko


Made in...


Das Kunsthaus Essen zeigt in Kooperation mit der Folkwang Universität der Künste eine Ausstellung mit vier fotografischen Positionen, die das Medium Fotografie über seine künstlerisch formale Verfasstheit hinaus als ein Medium der Reflexion nutzen und begreifen. Mit ihren Arbeiten spiegeln sie aktuelle gesellschaftliche Diskurse und Fragenkomplexe. Dazu gehören neben der anhaltenden Veränderung der Gesellschaft durch die Globalisierung und dem Wandel des Geschichtsbilds durch die postkolonialistische Debatte insbesondere auch die Frage nach der Rolle des fotografischen Bildes und dessen Beziehung zum Betrachter. Ob europäische Investitionsruinen, weltweit kursierende Lebensmittelkreisläufe, Landschaftsfotografie oder fotografische Raumexegesen – allen gemeinsam ist die Frage danach, wie Fotografie die Komplexität der Wirklichkeit, ihre Widersprüche und Herausforderungen in Bilder zu fassen vermag, die die Zukunft wie die Herkunft des Motivs reflektieren.

 

Künstler*innen:

Javier Gastelum, Caroline Schlüter, Mercedes Wagner, Lidong Zhao

© Caroline Schlüter: Kroatien (Aus der Fotoserie "Scheitern. Aufgelassenes Europa")


Marianneneck


Der Verein Cheezze e.V. aus Paderborn rief bundesweit zur Teilnahme am ersten „Young Cheezze Award für Fotografie“ auf. Das Thema „Diversität. Stadt. Gesellschaft.“ richtete sich bewusst an die Nachwuchsfotografie. Fotograf Uli Kaufmann wurde durch eine Fachjury als Preisträger auserkoren. Seine Serie „Marianneneck“ zeigt eindrucksvoll wie das Leben aus einer ganz anderen Sicht sein kann. Zwischen Lebensgeschichten taumelnd ist das Marianneneck in Berlin nicht bloß irgendeine Eckkneipe. „Sie schließt eine Lücke, die das Leben, ungeachtet der Gründe, hinterlassen kann. Hier gibt man Acht aufeinander, auf alles, auch auf die Dinge die außerhalb dieser klassischen Einrichtung zwischen Spitzengardinen und Spielautomaten stattfinden.“, sagt Kaufmann selbst.

 

Fotograf: Uli Kaufmann


Joanna Kischka: What explains everything explains nothing in particular


Die Mixed Media Arbeit What explains everything explains nothing in particular der Fotografin Joanna Kischka beschreibt das Stimmungsbild in Polen nach dem Wahlsieg der PiS Partei in 2015. Der Rechtsruck in Polen ist kein Einzelfall in den Mitgliedsstaaten der Europäischen Union und stellt Fragen nach ihrer zukünftigen Existenz. Umso wichtiger scheint es seine Hintergründe und Mechanismen zu verstehen. Mit Aufnahmen von Protest des linken aber auch rechten Lagers, Monumenten, Volksfesten, Geschäften mit patriotischer Bekleidung, Interieurs aber auch Alltagsszenen und Portraits versucht sie einem Phänomen näher zu kommen auf das es vielleicht keine einfache Antwort gibt: dem Rechtspopulismus.

 

Fotografin: Joanna Kischka


Improving Reality - Felix Kleymann


Katar gelangte mit der Entscheidung als Austragsort für die Fußball- Weltmeisterschaft 2022 in den Fokus der Presse. Dabei tauchten vermehrt schwere Vorwürfe auf, so z.B. über den Verkauf des Fußballs in einer korrupten Fifa oder die mangelhaften Arbeitsbedingungen auf den Baustellen der WM Stadien. Das kleine Emirat wird oft zum reichsten Land der Welt gekürt, das sich langfristig von seiner Abhängigkeit von Gas- und Öleinnahmen lösen will, in dem es in ausländische Unternehmen investiert. In seiner fotografischen Dokumentation bereiste der Fotograf Felix Kleymann die Halbinsel am Persischen Golf, erkundete den Spagat zwischen Tradition und Gegenwart, zwischen Gastarbeiter*innen und Einheimischen.

 

Fotograf: Felix Kleymann


"Sich ins Geschehen werfen". Die Hoesch-Fraueninitative


Anfang der 80er Jahre solidarisierten sich engagierte Frauen, unabhängig ihrer Herkunft, ihres Berufes und ihrer persönlichen politischen Position, vor dem Hintergrund der Stahlkrise mit der Hoesch-Belegschaft. Spannende Fotos, ausgewählte Dokumente und Exponate belegen, wie diese Frauen für den Erhalt der Arbeitsplätze demonstrierten - bis hin zu einem Hungerstreik vor der Westfalenhütte.

 © Gisbert Gerhard


Incondition


Was ist Gerechtigkeit? Was und warum wird etwas als „gerecht“ oder „ungerecht“ empfunden? Ist die Gerechtigkeit des einen die Ungerechtigkeit des anderen? Kann Gerechtigkeit objektiv definiert werden oder ist sie kulturell oder gar individuell konnotiert?

 

In Zeiten zunehmender sozialer und politischer Umbrüche erarbeiten Studierende des Masterstudiengangs Fotografie / Photographic Studies die Fragen um die Bedingungen von Gerechtigkeit mit zehn ausgewählten Foto- und Videoarbeiten exemplarisch. Dem Begriff Gerechtigkeit nähern sie sich aus verschiedenen Blickwinkeln und mit heterogenen fotografischen Herangehensweisen.

 

Verantwortliche Dozenten: Dirk Gebhardt, Marcel René Marburger

© v.l.n.r.: Thomas Morsch & Magnus Terhorst


Gerechtigkeit - Ein Bilddialog über Viel und Wenig


Oftmals entsteht Gerechtigkeit und gleichsam Ungerechtigkeit erst durch einen Vergleich zweier Gegebenheiten. „Viel“ und „Wenig“ scheinen dabei entscheidende Begriffe zu sein, zu denen die Studierenden des Arbeitsbereiches Fotografie der TU Dortmund über 2 Semester fotografierten. Durch zwei miteinander verknüpfte Partnerseminare traten sie in einen fotografischen Bilddialog und antworteten wöchentlich auf die Bilder der anderen Gruppe. Auf diese Weise entstand ein visueller Schlagabtausch, welcher knapp 500 Bilder und viele Diskussionen hervorbrachte. Deutlich wurde letztlich auch die Ambivalenz der beiden Begriffe (Viel und Wenig), was wiederum die Vielfältigkeit der Interpretation von Gerechtigkeit offenbarte.

Auf der Hochschuletage/Campus Stadt der TU Dortmund im Dortmunder U wird eine Auswahl der entstandenen Bilddialoge präsentiert.

 

Verantwortliche Dozenten: Felix Dobbert, Timo Klos

© v.l.n.r.: Katharina Goerges, Sandra Jonas


PREVIEW: WELT IN BEWEGUNG


 

Der Projektraum Kaisern zeigt einen Ausblick auf die geplante Ausstellung "Welt in Bewegung", die für die Städtische Galerie Iserlohn geplant wurde. Freelens-Fotografen aus der Regionalgruppe Ruhrgebiet zeigen ihre sehr unterschiedlichen Arbeiten zu einer Welt, die sich immer schneller zu drehen scheint.